Die Autorin
Dipl.-Biologin
Dr. Annette Braun-Lüllemann

Zuständig für Identifizierung und langfristige Erhaltung alter
Steinobstsorten und für das Erhalternetzwerk des Pomologen-Vereins (www.obstsortenerhalt.de).

Weitere Informationen und Ergebnisse der Kartierung:
BUND Kreisgruppe Stade
Mail: kontakt@bund.stade.net
Telefon: 04141-63333

Erfassung und Bewahrung des regionalen Kirschensortimentes im Alten Land

Von den Hunderten von Süßkirschensorten, die es einmal in ganz Deutschland gegeben hat, findet sich heute nur noch ein Bruchteil in unserer Landschaft

Der dramatische Sortenschwund der letzten Jahrzehnte betrifft auch das nördlichste Kirschanbaugebiet Deutschlands, das Alte Land. Um die hier noch vorhandenen Sorten zu sichern, führte die Pomologin Dr. Annette Braun-Lüllemann in den Jahren 2015 und 2016 eine Sortenerfassung durch.

Sortenkataster

Warum ist die Bewahrung der alten Sorten so wichtig? Die Altländer Sorten sind nicht nur der lebende Beweis für einen erfolgreichen, jahrhundertelangen Anbau, sondern wegen ihrer speziellen, an die Altländer Bedingungen angepassten Eigenschaften auch heute noch interessant für die regionale Nutzung im Hausgarten und auf Streuobstwiesen. Gleichzeitig sind sie als Genpool für zukünftige Züchtungen wichtig, gerade auch für den Erwerbsobstbau im Alten Land selbst.
Die erfassten und mit Referenzproben verglichenen Sorten sind in einem Sortenkataster dokumentiert. Wie viele Sorten es tatsächlich einst im Alten Land gab, ist unbekannt. Dokumentiert sind rund 70 Sorten, tatsächlich waren es vermutlich aber einige mehr. In den beiden Erfassungsjahren wurden ca. 550 Bäume aufgesucht und immerhin noch über 55 alte Sorten wiedergefunden. Davon sind drei Viertel typische Altländer Regionalsorten, darunter viele Erstfunde für Deutschland. Die hohe Anzahl an Regionalsorten des Alten Landes ist einzigartig in Deutschland und darauf zurückzuführen, dass viele Obstbauern einst ihre eigenen „Hofsorten“ züchteten. So klingen in den Sortennamen auch die Namen ihrer einstigen Züchter nach, wie z. B. bei „Allers Späte“, „Minners Bunte“, „Hauschildts Frühe Schwarze“ oder „Schubacks Frühe Schwarze“.

Flächen für den Sortenerhalt gesucht

Auf der Sortenerfassung aufbauend, wird der Sortenschatz nun auch durch eine Jungbaumanzucht langfristig gesichert, indem die Reiser (einjährige Triebe) der seltenen Sorten geschnitten und in einer Baumschule veredelt wurden.
Hierzu sucht die BUND-Kreisgruppe noch geeignete Flächen, auf denen eine Sortimentspflanzung der aufgefundenen Altländer Kirschsorten Platz finden kann. Das Projekt „Erfassung und Bewahrung des regionalen Kirschensortimentes im Alten Land“ wurde von der BUND-Kreisgruppe Stade initiiert, vom Obstbauzentrum Esteburg unterstützt und baut auf dem Boomgarden-Projekt von Eckart Brandt auf. Förderer ist die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung.

Alter Kirschbaum im Alten Land (Foto: Dr. A. Braun-Lüllemann)

„Minners Bunte“ – eine der berühmten „Bunten” des Alten Landes (Foto: Dr. A. Braun-Lüllemann)

„Müggenbeine“: Der lustige Name bezieht sich auf die extrem langen Stiele dieser Sorte (Foto: Dr. A. Braun-Lüllemann)

Die Autorin
Dipl.-Biologin
Dr. Annette Braun-Lüllemann

Zuständig für Identifizierung und langfristige Erhaltung alter
Steinobstsorten und für das Erhalternetzwerk des Pomologen-Vereins (www.obstsortenerhalt.de).

Weitere Informationen und Ergebnisse der Kartierung:
BUND Kreisgruppe Stade
Mail: kontakt@bund.stade.net
Telefon: 04141-63333