Keine Angst vor Spinnen
Mi, 2026-09-16 | Hans-Joachim Schaffhäuser
Jetzt im Spätsommer sind sie überall am Haus, im Garten und in der freien Natur zu finden: die Netze der Gartenkreuzspinne.
Kreuzspinne im Netz - Foto: Hans-Joachim Schaffhäuser
Kreuzspinnen
Diese Spinne ist leicht zu erkennen an den kreuzförmigen Flecken auf ihrem Hinterleib. Die Grundfärbung dagegen ist sehr variabel und kann von der Spinne an die Umgebungshelligkeit angepasst werden. Mit etwa 18 mm Körperlänge gehören die Weibchen zu den größten einheimischen Spinnen, die Männchen sind nur etwa 10 mm groß. „Spinnen sind für uns Menschen als biologische Insektenfänger unersetzlich“, erklärt Dr. Uwe Andreas, Leiter des Amtes für Naturschutz. „Sie selbst sind wiederum Nahrung für viele Vögel, Amphibien und Säugetiere und somit ein wichtiger Bestandteil der biologischen Vielfalt. Außerdem haben sie viele faszinierende Eigenschaften.“
Ist die Gartenkreuzspinne giftig?
Zwar betäuben oder töten die Spinnen ihre Beute mit Gift, aber die im Landkreis vorkommenden Arten sind für uns Menschen völlig ungefährlich. Zum einen sind sie aufgrund ihrer Größe nicht in der Lage die menschliche Haut zu durchdringen. Zum anderen ergreifen sie bei Gefahr zunächst die Flucht und stellen sich tot, die so genannte Schreckstarre. In sehr seltenen Fällen können die Gartenkreuzspinnen den Menschen zwicken, was zwar folgenlos bleibt, aber doch schmerzhaft sein kann.
Kreuzspinnennetz mit vielen kleinen Fliegen - Foto: Gerd-Michael Heinze
Spinnenmännchen leben gefährlich
Während der Paarungszeit im August beginnt für die viel kleineren Gartenkreuzspinnenmännchen eine lebensgefährliche Zeit. Zunächst spinnen sie an das Netz des Weibchens einen Bewerbungsfaden und zupfen daran. Ist das Weibchen paarungswillig, begibt sie sich zu dem Männchen und die Paarung erfolgt. Danach werden die Männchen häufig von den größeren Weibchen gefressen. Im Herbst legt das Weibchen ihre Eier in gelblichen Kokons ab und stirbt. Die Eier überwintern im Kokon, die Jungen schlüpfen dann im April/Mai.
Spinnfäden – ein Wunderwerk der Natur
Die Gartenkreuzspinne kann mit ihren Spinndrüsen verschiedene Fadensorten produzieren: Stabile Fäden für das Netzgrundgerüst, Klebefäden, feine Seide für die Innenauskleidung der Kokons und zum Einspinnen der Beuteinsekten oder auch elastische Fäden für die Fangspirale. Letztere können um das Dreifache ihrer Länge gedehnt werden, so dass das Spinnennetz auch meist die Wucht des Aufpralls eines fliegenden Insekts widersteht, ohne zu zerreißen. Spinnenseide ist leicht, bezogen auf ihr Gewicht, viermal belastbarer als Stahl, wasserfest, widersteht mikrobiologischen Angriffen und ist dennoch biologisch abbaubar.
Wussten Sie schon?
Forscher sind seit langem bemüht, dem Geheimnis der Spinnenseide auf den Grund zu gehen, da sie für viele technische und auch medizinische Anwendungen wie beispielsweise kugelsichere Westen sehr interessant ist. Allerdings konnte die Proteinstruktur der Spinnfäden und die richtige Mischung der Eiweißmoleküle bislang noch nicht gelöst werden.